Impfung gegen SARS-CoV-2 / Stand Jänner 2021

Impfung gegen SARS-CoV-2 / Stand Jänner 2021

  

Sehr geehrte Patientin – Sehr geehrter Patient!

Aktualisiert am 25.01.2021

Die Empfehlungen basieren auf den aktuellen Daten abgeschlossener Studien, den Empfehlungen nationaler und internationaler Gesundheitsbehörden sowie den Empfehlungen der rheumatologischen Fachgesellschaften von Österreich und Deutschland.

  1. Es sind leider im Moment KEINE vollkommen sicheren Aussagen zu Wirkung und potentiell bisher unbekannten Nebenwirkungen der zugelassenen COVID – 19 Impfungen für Patienten unter einer Immunsuppression möglich, da solche Patientengruppen vom Studienprogramm ausgeschlossen waren. Es fehlen – kurz gesagt – dazu im Moment noch die nötigen Daten. Sollten diese Ergebnisse vorliegen, werden sie selbstverständlich sofort nachgereicht.
  2. Aus jetziger Sicht gibt es aber KEINE realistischen Bedenken, was die SICHERHEIT dieser Impfung betrifft. Insbesondere besteht KEIN RISIKO, dass durch die Impfung wegen der Immunsuppression eine CORONA-Infektion ausgelöst werden könnte, da es sich um einen Totimpfstoff handelt!
  3. Weiters gibt es aus der Vergangenheit keine Berichte über relevante Nebenwirkungen, die nur bei immunsupprimierten Patienten im Zusammenhang mit anderen Totimpfstoffen (Zecken, Tetanus, Hepatitis,…) aufgetreten wären.

Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass es durch die Immunsuppression zu einer GERINGEREN IMPFANTWORT kommt, das heißt, dass die Menge der gebildeten Abwehrzellen gegen COVID-19 geringer ist als es ohne Immunsuppression wäre.

Daraus lässt sich aber NICHT NOTWENDIGERWEISE ableiten, dass auch das verbleibende Ansteckungsrisiko – trotz Impfung – automatisch höher ist. So eine Möglichkeit besteht, ist aber weder bewiesen noch ausgeschlossen. Anzunehmen ist aus der Erfahrung anderer Impfprogramme, dass IN JEDEM FALL nach erfolgter Impfung ein guter Erkrankungsschutz besteht, der möglicherweise weniger hoch ist als bei nicht immunsupprimierten Patienten, aber der TROTZDEM eine Erkrankung wesentlich unwahrscheinlicher macht und auch bei tatsächlicher Infektion die potentielle Schwere der Erkrankung deutlich mildert!

Zusammenfassend empfehle ich daher eine Impfung zum frühestmöglichen Zeitpunkt mit den derzeit verfügbaren Impfstoffen der Firma Pfizer oder Moderna!

 Eine Impfung gegen COVID hat SICHER weniger Nebenwirkungen als eine Coronainfektion!

AUSNAHMEN:

  1. Unter einer Behandlung mit Rituximab (MabThera©) oder Belimumab (Benlysta©) kommt es zu einer Unterdrückung der Bildung notwendiger Abwehrzellen gegen COVID-19. Eine Impfung unter einer solchen Therapie ist daher aus heutiger Sicht NICHT MÖGLICH und SINNVOLL. (dies gilt aber auch für andere Impfungen)
  2. Unter einer systemischen Behandlung mit Cortison (Aprednislon©, Urbason©) kann es ebenfalls zu einer ungenügenden Bildung von Antikörpern kommen, die eine Impfung vermutlich weitgehend wirkungslos macht . Hierbei ist aber die DOSIS der Cortisontherapie entscheidend! Cortisondosen UNTERHALB von 10mg/Tag sind mit großer Sicherheit vernachlässigbar und es kann bedenkenlos geimpft werden. Dosen ZWISCHEN 10-20mg/Tag sollten VOR IMPFUNG mit dem behandelnden Rheumatologen besprochen werden. Bei einer bestehenden Dosis >20mg/Tag wird KEINE Impfung aus oben genannten Gründen empfohlen.

 

Der Impfstoff des Pharmaunternehmen Astra Zeneca ist aktuell zum Zeitpunkt „Ende Jänner 2021“ nicht zugelassen. Auch gibt es noch keine ausreichenden Daten und so kann ich derzeit (!) Patienten unter einer immunsupprimierenden Therapie NICHT empfehlen!

 

SIND ÄNDERUNGEN MEINER RHEUMATHERAPIE VOR IMPFUNG NOTWENDIG/SINNVOLL?

Dazu gibt es KEINE ALLGEMEINGÜLTIGE Antwort, es wird aber allgemein eine FORTSETZUNG der Behandlung während der Impfperiode empfohlen.

Bei optimalem Krankheitsverlauf und einer stabilen, medikamentösen Behandlung seit längerer Zeit kann im EINZELFALL eine PAUSIERUNG der Therapie um die Zeit der Impfung zur Optimierung der Impfantwort diskutiert werden. Die Dauer der Pause richtet sich dabei an das jeweils verwendete Medikament und seine Halbwertszeit und ist mit dem behandelnden Arzt rückzusprechen!

Dabei wird von uns stets das Risiko eines potentiellen rheumatischen Krankheitschubs mit der nachfolgenden Notwendigkeit intensiver Therapie – beispielsweise durch Cortison – gegen den aus heutiger Sicht nicht sicheren Nutzen abgewogen. Wir empfehlen KEINESFALLS EIN SELBSTSTÄNDIGES Absetzen/Pausieren Ihrer Therapie, sondern ersuchen UNBEDINGT um Rücksprache mit unserer Ambulanz vor eventuellen Änderungen.

Im Zweifelsfall sollte nach derzeitigem Stand eine rasche Impfung dem Experiment mit der aktuellen Therapie vorgezogen werden!

 

ÄNDERT SICH ETWAS WENN ICH IM MOMENT MEHRERE IMMUNSUPPRIMIERENDE MEDIKAMENTE GLEICHZEITIG EINNEHMEN MUSS? (z.B: Methotrexat + Biologicum)  –  NEIN – wenn es sich nicht um eine der unter „Ausnahmen“ geführten Substanzen handelt.

WAS MACHE ICH, WENN ICH NOCH ANDERE IMPFUNGEN ZUR SELBEN ZEIT BENÖTIGE?

Es spricht aus heutiger Sicht nichts gegen mehrere Impfungen zur selben Zeit, das gilt auch für eine Impfung gegen COVID-19 (es existiert KEIN RISIKO für eine „Überimpfung“).

SOLLTEN NOCH FRAGEN BESTEHEN, ERSUCHEN WIR UM KONTAKTAUFNAHME MIT IHRER Rheuma-AMBULANZ.  

 OA Dr. Raimund LUNZER